Über das CAC

Eine kurze Geschichte des CAC
(Center for Action and Contemplation)

Das Center for action and contemplation (Zentrum für Aktion und Kontemplation) begann 1986 als reizvoller Traum von Richard Rohr, der damals sein erstes Jahr in Albuquerque verbrachte. Im Oktober 1987 waren wir dann soweit, einen Newsletter auf die Beine zu stellen, und es lag nahe, Pat Malcolm als Künstler auszuwählen. Auf der Titelseite unserer ersten Ausgabe war ein Bild von Dorothy Day, die uns neben anderen sehr inspiriert hat. Den Namen „Radical Grace“ haben wir ausgewählt, um das Paradoxe, das schon in den Zielen des Centers verankert ist, auszudrücken.

Wir wollten wohl an einem Platz in der Mitte stehen, aber nicht in der Mittelmäßigkeit, sondern im Zentrum des Kreuzes, da wo die Gegensätze zusammen gehalten werden.

Aktion und Kontemplation galten lange als sich ausschließende Gegensätze, wir aber glaubten, dass diese beiden nur dann überhaupt Sinn machen, wenn man sie zusammen bringt. Wir merkten, dass wir dabei „radikal“ in zweierlei Hinsicht waren: zum einen verwurzelt in der Tradition und gleichzeitig kühn experimentierend.

Die Radikalität unserer Arbeit wurde u.a. daran offenbar, dass immer mehr darin Platz hatte; wir haben die Gräben zwischen den geistlichen und politischen Gemeinden überbrückt, wir haben mit kontemplativem Gebet und Zen-Meditation einen Rhythmus für unseren Tag geschaffen,  und – was sogar noch grundlegender ist: wir glaubten, dass unser Verhalten nach außen mit der inneren Leitlinie in Verbindung stehen und von ihr unterstützt werden muss.

Ein weiterer Aspekt unseres radikalen Standpunkts war unsere Überzeugung, dass Kunst und Gerechtigkeit zwangsläufig miteinander verbunden sind, es bei beiden um eine erotische und leidenschaftliche Hingabe an das Leben geht. Wir wollten keinen elitären Ästhetizismus, sondern einen fest gegründeten Glauben an die Kraft und Schönheit, die darin liegt, diese Welt zu bewegen und  - wenn möglich - auch zu retten.

Wir haben Flagge gezeigt und sind ausgezogen, etwas Verwegenes, Wundervolles und Bedeutsames in dieser Welt zu tun. Wir glaubten damals daran, und tun es bis heute, dass die Kraft, wahrhaft radikal zu sein, nur aus einem absoluten Vertrauen in Gottes Gnade kommen kann, und dass solch ein Vertrauen wiederum die radikale Handlung schlechthin ist. Eines wissen wir sicher: Durch Gnade sind wir an diesen Ort gekommen und Gnade fließt in uns, durch uns und unter uns. In unserem größten Traum geschieht jedes Werk allein durch Gnade; Gnade lenkt unsere Hände und Herzen und bestimmt unsere Entscheidungen. Wir begreifen immer wieder neu, dass alles ein Geschenk ist.

 Dieser Artikel erschien in der Dezember-Sonderausgabe von Radical Grace zum Jahrestag 1999